" Babys, denen Zeichensprache vermittelt wird, lernen sehr früh, dass ihre Gedanken und Gefühle ernst genommen werden und man ihnen zuhört. Aus dem Gefühl, wichtig genommen zu werden, entwickeln sie später eine positive..."

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Vorteile der Zeichensprache

Mithilfe von Zeichensprache können Babys sich nicht nur vor ihrem ersten Wort mitteilen, sondern profitieren davon auch auf andere Weise:

  • Weniger Frust bei Eltern und Kind, da das Kind Wünsche und Bedürfnisse verständlich mitteilen kann
  • Einen Einblick in die Gedankenwelt des Kindes, der die Eltern-Kind-Bindung von klein auf stärkt.

Doch es gibt noch weitere Vorteile. Wenn Babys schon früh Zeichensprache vermittelt wird, kann sich dies positiv auf verschiedene Entwicklungsaspekte auswirken:

Vorteile in intellektueller Hinsicht:

Wörter werden schneller erlernt und verinnerlicht

Kinder, die Zeichensprache lernen, haben schon sehr früh einen größeren Wortschatz als Kinder, die sich nur mit Lautsprache ausdrücken, und behalten diesen Vorsprung auch bei. Mithilfe von Zeichensprache als zusätzlichem Hilfsmittel können Kinder sich Wörter und deren Bedeutung auch besser merken. Mehr lesen

Die nachstehende Tabelle basiert auf Forschungsergebnissen von Dr. Marilyn Daniels, Professorin für Kommunikationsgeschichte und -wissenschaft an der Pennsylvania State University. In dieser Tabelle wird der Wortschatzerwerb von Kindern, die Zeichensprache und Lautsprache erlernen, mit Kindern, die ausschließlich eine Lautsprache erlernen, verglichen:

  Durchschnittsalter
  Kinder, die Zeichensprache lernen Kinder, die nur die Lautsprache lernen
Erstes Handzeichen/Wort 8,5 Monate 12 Monate
Erste 10 Handzeichen/Wörter 13 Monate 15 Monate
Kombination von Handzeichen/Wörtern 17 Monate 21 Monate

Dieser Vorsprung wird im Allgemeinen auch beibehalten.

In einer ihrer Forschungsstudien beschäftigte sich Dr. Daniels mit zwei Gruppen von Kindern im Vorkindergartenalter. Einer Gruppe wurde Zeichensprache beigebracht, der anderen nicht. Sie stellte fest, dass Kinder, die Zeichensprache einsetzen, schneller einen größeren Wortschatz entwickelten als Kinder, die nur eine Lautsprache erlernen. Keine der beiden Gruppen kam dann im ersten Kindergartenjahr mit Zeichensprache in Berührung. Eine Folgestudie belegte, dass die Kinder aus der ersten Gruppe dennoch ihren Vorsprung beim Wortschatzerwerb beibehielten (Daniels, 1996).

Dr. Daniels zufolge begünstigt Zeichensprache die Entwicklung des Gehirns, wodurch Kinder, die entsprechend gefördert werden, besser lernen. In Ihrem Buch „Dancing with Words: Signing for Hearing Children's Literacy“ (Bergin & Garvey 2001) beschreibt sie, dass die Augen von Babys sich schon sehr früh entwickeln, d. h., wenn Informationen mit den Augen aufgenommen werden, wird die rechte Gehirnhälfte stimuliert. Sprachen werden in der linken Gehirnhälfte verarbeitet. Wenn Babys also Zeichensprache und Lautsprache erlernen, werden beide Gehirnhälften aktiviert. Dies ist ihrer Meinung nach ein großer Vorteil: Da beide Gehirnhälften genutzt werden, werden mehr Synapsen (Verbindung zwischen zwei Nervenzellen) gebildet.'

Das bessere Erinnerungsvermögen kann darauf zurückgeführt werden, dass für jede Sprache, die erlernt wird, in der linken Gehirnhälfte ein eigener „Platz im Gedächtnis“ benötigt wird. Auch Zeichensprache hat schon sehr früh ihren eigenen Platz im Gedächtnis; das Kind verfügt quasi über zwei „Datenspeicher“, aus denen es Informationen abrufen kann. Das Kind kann sich demnach an das Zeichen erinnern, wenn es ein gesprochenes Wort hört, die Bedeutung eines gesprochenen Wortes erfassen oder den entsprechenden Buchstaben im manuellen Alphabet gedanklich abrufen. Es fällt dem Kind daher leichter, ein Wort zu buchstabieren.

Die körperliche Bewegung, die notwendig ist, um ein Zeichen zu zeigen, löst laut Dr. Daniels eine Reaktion in der linken Gehirnhälfte aus, sodass Kinder sich besser an Wörter erinnern können.

Andere Studien, wie die von Dr. Linda Acredolo und Dr. Susan Goodwyn von der University of Davis in Kalifornien, belegen, dass Babys, die sich über Zeichensprache mitteilen, mehr Wörter verstehen und über einen größeren Wortschatz verfügen (Moore et al, 2001).

Höhere Lese- und Schreibkompetenz

Mit Zeichensprache entwickeln Kinder Fertigkeiten, durch die sie leichter lesen und schreiben lernen können. Mehr lesen

Dadurch, dass Kinder das Alphabet in Form von Zeichen lernen, können sie Wörter mit den Fingern buchstabieren (über das so genannte „Fingeralphabet“). Mithilfe des Fingeralphabets können sich Kinder Form und Aussprache der Buchstaben besser merken. Das Erkennen von Form und Aussprache der Buchstaben sowie die Bedeutung des Wortes, das mit diesen Buchstaben gebildet wird, ist die Grundlage für das Lesenlernen.

Der Einsatz der Hände beim Zeigen von Zeichen schult die Motorik der einzelnen Finger, da mit den Fingern und dem Handgelenk bestimmte Bewegungsmuster durchgeführt werden. Dies kann sich positiv auf das Schreibenlernen auswirken, wenn das Kind älter ist, denn um einen Stift halten und Buchstaben schreiben zu können, sind feinmotorische Fähigkeiten erforderlich. (Siehe Forschungsergebnisse von Dr. Marilyn Daniels, Professorin für Kommunikationsgeschichte und -wissenschaft an der Pennsylvania State University - www.marilyndaniels.com)

Höhere Lernbegierde

Durch Zeichensprache kann auch das Interesse am Lernen gefördert werden. Kinder haben Spaß am Lernen und Verwenden von Zeichensprache; so wird ein Lehrer, der beim Unterrichten auf Zeichensprache zurückgreift, automatisch mehr Aufmerksamkeit erhalten, weil die Kinder nichts verpassen möchten. (Siehe Forschungsergebnisse von Dr. Marilyn Daniels, Professorin für Kommunikationsgeschichte und -wissenschaft an der Pennsylvania State University - www.marilyndaniels.com)

Höhere Intelligenz

In einer Folgestudie zu ihrer ursprünglichen Forschungsarbeit verglichen Dr. Linda Acredolo und Dr. Susan Goodwyn den IQ von Kindern, denen Zeichensprache vermittelt wurde, mit dem von anderen Kindern. Die 8-jährigen Kinder aus beiden Gruppen absolvierten einen IQ-Test, wobei die erste Gruppe mit den Kindern, die Zeichensprache gelernt hatten, einen durchschnittlichen IQ von 114 erzielte. Im Vergleich dazu erreichten die Kinder der zweiten Gruppe im Durchschnitt nur einen IQ von 102. (Quelle: Acredolo und Goodwyn, 2000).

Weiter entwickelte Spielfähigkeiten

Für die Entwicklung von Kindern ist Spielen ganz entscheidend, da beim Spielen viele verschiedene Faktoren wie Motorik, soziale Fähigkeiten, Entscheidungsfindung, Fantasie, Kreativität usw. geschult werden. Dr. Maria Montessori (1988) betrachtete das Spielen für die Entwicklung des Vorschulkindes sogar als ausschlaggebend. Mehr lesen

Dr. Marilyn Daniels' Studien haben ergeben, dass Zeichensprache bei hörenden Kindern deren Spielfähigkeiten fördert, da sie Symbole besser verstehen und nutzen (Daniels, 1996). Auch die Forschungen von Dr. Linda Acredolo und Dr. Susan Goodwyn belegten, dass Babys, denen Zeichensprache vermittelt wurde, im Vergleich zu anderen Kindern auf einem fortgeschritteneren Niveau spielten (Moore et al, 2001).

Vorteile durch den Erwerb einer Zweitsprache

Das Lernen einer zweiten Sprache ist in jedem Alter eine Bereicherung. Wenn Kinder jedoch schon von früh auf eine Sprache lernen, können sie am meisten von den Vorteilen und Chancen einer weiteren Sprache profitieren. Mehr lesen

Antonella Sorace, Professorin für Spracherwerb an der University of Edinburgh, beschreibt in einem im Magazin „Children in Scotland“ erschienenen Artikel einige der Gründe, aus denen Kinder möglichst früh eine Fremdsprache lernen sollten. Sie ist der Meinung, dass zweisprachige Kinder:

  • aufmerksamer sind, besser unwichtige Informationen von wichtigen unterscheiden und leichter alternative Lösungen zu einem Problem finden können.
  • mehrere Aufgaben leichter gleichzeitig bearbeiten können (Multitasking)
  • ein höheres Bewusstsein für Sprache entwickeln und besser darüber nachdenken bzw. ihre Gedanken dazu besser ausdrücken können
  • früher lesen lernen als einsprachige Kinder
  • ein größeres „Bewusstsein für Andere“ haben, d. h., sie verstehen früher, dass andere Personen Überzeugungen, Wünsche und Absichten haben können, die sich von ihren eigenen unterscheiden.

Vorteile in psychologischer und emotionaler Hinsicht

Stärkung der Fähigkeit, Gefühle von klein auf auszudrücken

Die meisten Handzeichen für Emotionen (z. B. traurig, wütend, ängstlich, schüchtern, mutig) sind bildhaft, daher können Kinder Emotionen besser verstehen und ausdrücken. Mehr lesen

Die Fähigkeit, Gefühle ausdrücken zu können, ist für die emotionale Entwicklung des Kindes unabdingbar. Erfahrungen mit Kindern, die Zeichensprache verwenden, zeigen, dass diese sich in Stresssituationen eher über ein Handzeichen als mit einem gesprochenen Wort mitteilen, um auszudrücken, was in ihnen vorgeht. Dies zeigt sich auch, wenn diese Kinder bereits sprechen können. Der Grund hierfür ist möglicherweise der, dass sich durch die als ausdrucksstärker empfundenen Handzeichen scheinbar eher „echte“ Gefühle darstellen lassen. In kritischen Situationen könnten Handzeichen zudem auch weniger auffällig und damit angemessener erscheinen. Da sie sehr dezent sind, können sie auch nicht zufällig von anderen „mitgehört“ werden. (Siehe Forschungsergebnisse von Dr. Marilyn Daniels, Professorin für Kommunikationsgeschichte und -wissenschaft an der Pennsylvania State University - www.marilyndaniels.com)

Höheres Selbstwertgefühl

Kinder haben Spaß am Erlernen von Zeichensprache. Sie erhalten dabei eine Fähigkeit, die nicht jeder hat, und haben so das Gefühl, dass sie etwas ganz Besonderes können. Kinder geben auch gern Wissen weiter und zeigen Geschwistern, Eltern und Freunden ihre Handzeichen. Einer anderen Person zeigen zu können, wie ein bestimmtes Zeichen ausgeführt wird, steigert das Selbstwertgefühl enorm. (Siehe Forschungsergebnisse von Dr. Marilyn Daniels, Professorin für Kommunikationsgeschichte und -wissenschaft an der Pennsylvania State University - www.marilyndaniels.com)

Kommunikation wird zum Erlebnis für die Sinne

Durch das zusätzliche Erlernen von Zeichensprache neben der Lautsprache wird Kommunikation zu einem besonderen Erlebnis für die Sinne, da Sehen, Hören und Fühlen kombiniert werden. Dr. Maria Montessori, die Begründerin der Montessori-Pädagogik, war der Meinung, dass Kinder mit ihren fünf Sinnen lernen, um die Welt um sich herum vollständig verstehen zu können.

Brücke für Kinder in zweisprachigen Familien

Mit Zeichensprache kann eine Brücke zwischen verschiedenen Sprachen geschlagen werden, die innerhalb einer Familie gesprochen werden.